Arbeitszufriedenheit im Home-Office

5. Februar 2021 Autor

Arbeitszufriedenheit im Home-Office

Wo man auch hinschaut, Corona begegnet einem immer und überall und ist zu unserem täglichen Begleiter im Alltag geworden. Somit ist es nicht verwunderlich, dass das Covid-19 Virus und die damit einhergehenden Begleitumstände, wie z.B. eine Ausgangssperre oder die Homeoffice-Beschäftigung als belastend empfunden werden. Dies bedeutet auch, dass die meisten von uns sich den Status quo ante wünschen, also den Zustand als alles noch „normal“ war.

Neben den Einschränkungen der Freiheiten leidet auch die Arbeitszufriedenheit unter der Pandemie – und damit die Arbeitsmotivation. Warum ist das so? Und wie könnte man dieser Entwicklung entgegenwirken?

Hierbei ist das Bruggemann-Modell, entwickelt von Agnes Bruggemann, erwähnenswert. Die Quintessenz des Modells ist die emotionale Reaktion des Individuums auf eine Diskrepanz oder Übereinstimmung des Status quo zum Soll-Zustand. In der aktuellen Situation sind die meisten Menschen unzufrieden mit ihrer Arbeit, weshalb der Soll-Ist-Vergleich negativ ausfällt. Es liegt also nach Bruggemann eine konstruktive Arbeitsunzufriedenheit vor (= Ist-Zustand), welche darin resultiert, diese Unzufriedenheit bewältigen zu wollen. Das langfristige Ziel ist es, zu einer progressiven (also, sich stetig erhöhenden) Arbeitszufriedenheit zu gelangen, in der auch die Arbeitsmotivation wieder steigt (= Soll-Zustand).

Genauere Aspekte, die mit der Arbeitszufriedenheit zusammenhängen, werden in Herzbergs Zwei-Faktoren Theorie mit Hilfe von zwei übergeordneten Faktoren, den Hygienefaktoren & Motivatoren differenziert. Die sogenannten „Hygienefaktoren“ (z.B. physische Arbeitsbedingungen bzw. Arbeitsplatzgestaltung wie Beleuchtung, Sicherheit oder Lärmbelastung) haben, wenn sie wenig optimal sind, einen negativen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit. Diese korreliert wiederum mit der Arbeitsumwelt, d.h. in unserem Fall: dem Homeoffice.

Das Homeoffice unterscheidet sich stark vom eigentlichen Arbeitsplatz, z.B. bezüglich der Raumstruktur und insbesondere in der Einrichtung sowie Ausstattung dieses. Der konventionale Arbeitsplatz ist funktional eingerichtet, um eine möglichst hohe Produktivität zu gewährleisten. Im Homeoffice haben wir mehr persönliche Gegenstände, welche grundsätzlich auch ein höheres Ablenkungsrisiko darstellen. Des Weiteren bietet der Arbeitgeber eine bessere Ausstattung am Arbeitsplatz wie z.B. schalldichtere Wände oder ergonomische Stühle, welche die Produktivität positiv beeinflussen. Im Homeoffice ist die technische Ausstattung i.d.R. vergleichsweise schlecht. Nicht zuletzt fehlt im Homeoffice die Tages- bzw. Zeitstruktur, welche man sonst vom konventionellen Arbeitstag gewohnt ist.

Wie kann die aktuelle relative Arbeitsunzufriedenheit bewältigt werden?

Wir von STUNT e.V. sind uns darüber im Klaren, dass es äußere Faktoren gibt, welche die Arbeitszufriedenheit bzw. die Arbeitsmotivation einschränken und auf die man nicht immer direkt Einfluss nehmen kann. Dass solche Situationen auftreten können, ist normal und gehört zur Karriere und dem Lauf des Lebens dazu. Es geht aber eben darum, sich Präventivmaßnahmen zu überlegen, z.B. in Form von bestimmten Coping-Strategien, und da anzusetzen, wo es möglich ist, denn Anpassung ist in diesen Zeiten essenziell. Unsere STUNTies achten beispielsweise gezielt darauf, sich feste Arbeitszeiten einzuplanen. Da eine externe Strukturierung nur rudimentär vorgegeben werden kann, ist es wichtig, in dem nicht mehr so routinierten Arbeitstag diese selbst zu etablieren.

Auch intern im Verein haben wir Vorkehrungen getroffen, um dem Status quo ante möglichst nahezukommen. Die Umstellung auf online Kommunikationsplattformen und damit einhergehende regelmäßige Online-Treffen ist u.a. eine Maßnahme, um die Arbeitsdynamik aufrecht zu erhalten. So können nicht nur Gespräche, Projekte, Aufgaben oder andere vereinsinterne Arbeit (z.B. unsere 14-tägigen Mitgliederversammlungen), sondern auch Events wie z.B. Spieleabende oder Feiertagstreffen weiterhin stattfinden. Zudem ist insbesondere die Anpassung vereinsinterner Regelungen entscheidend, um den Anforderungen der momentanen Lage weiterhin gerecht werden zu können. So werden Aufgabenschritte detaillierter vorab geplant oder Deadlines von laufenden Projekten angepasst, um den eingeschränkten persönlichen Austausch und technische Herausforderungen zu kompensieren.

Entscheidend ist außerdem die Sichtweise auf die Situation: Es ist destruktiv, die Homeoffice-Beschäftigung mit Demotivation zu assoziieren. Stattdessen sollte sie als Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung gesehen werden. Denn in der Auseinandersetzung mit den aktuellen Herausforderungen eignet man sich die zuvor erwähnten Bewältigungsstrategien an, die auch für die Zukunft nützlich sein können. Zudem kann man lernen, den Fokus auf die positiven Aspekte zu lenken und so kann eben die Strukturlosigkeit auch als zeitliche Flexibilität gesehen werden, mit welcher der Alltag einer individuelleren Anpassung unterliegt.

Summa summarum lässt sich sagen, dass krisenhafte und herausfordernde Ereignisse zum Arbeitsleben dazugehören. Man sollte sich jedoch stets vor Augen führen, dass die Denkweise einen enormen Einfluss auf unsere Fähigkeit hat, den Status quo zu bewältigen. Wir versuchen darauf bestmöglich einzugehen und den Fokus auf die Chancen zu lenken, die sich aus einer solchen Krise ergeben können. 

Autor: Dennis Meseli